Weshalb könnte Groß-Angkor untergegangen sein?

Die wohl gewaltigste vorindustrielle Siedlung der Welt war Groß-Angkor. Die im heutigen Kambodscha vor etwa 900 Jahren entstandene Stadt erreichte eine Fläche von mehr als 1000 Quadratkilometern, dass fanden Forscher im Jahr 2007 heraus. Heute steht nur noch ein Teil der antiken Siedlung, darunter die Tempelanlage Angkor Wat.

Angkor Wat – erbaut vom Hinduismus, übergeben an den Buddhismus
Von außen führt eine Brücke den Besucher über den 200 m breiten Wassergraben zur äußeren Mauer. Hier lebte der Hofstaat, der in der Blüte Angkors bis zu 20.000 Menschen betrug. Einige der steinernen Bauten wie die Bibliothek sind noch erhalten. Der eigentliche Tempel den man nach Durchquerung des Stadttors erreicht, wurde im 12. Jahrhundert als Mausoleum für König Suryavarman II erbaut. Angkor Wat symbolisiert den heiligen Berg Kulen, auf dem laut hinduistischem Glauben die Götter hausten. Zur Zeit seiner Erbauung war der Hinduismus noch Staatsreligion der Khmer, erst später wurde der Buddhismus zur Staatsreligion im heutigen Kambodscha. Neben der Größe und dem Fakt dass der gesamte Tempel ohne Bindemittel aus Sandstein erbaut wurde, beeindruckt Angkor Wat vor allem durch seine detailverliebten Reliefs die an den Wänden von der Geschichte und Kultur der Khmer erzählen.

Warum ist die Metropole des Khmer-Imperiums untergegangen?
Auf großflächige Abholzungen oder rivalisierende Königreiche tippten Forscher vorerst. Brendan Buckley von der Columbia University in New York und seine Kollegen erklären im Fachblatt “Proceedings of the National Academy of Sciences”, dass zwei lang andauernde Dürrezeiten und enormer Monsunregen zum Ende von Angkor beigetragen haben könnten.

Buckley und seine Mitarbeiter hatten mit Hilfe von Baumringen aus Vietnam das regionale Klima vom Jahr 1250 bis zur Gegenwart rekonstruiert. Dabei fanden sie deutliche Schwankungen, bevor Angkor, die Hauptstadt des blühenden Khmer-Reiches, aufgegeben wurde. Allein von 1340 bis 1360 und noch einmal von 1400 bis 1420 muss die Region zweimal eine lange Trockenperiode mit schwachen Monsunregen erlebt haben. Dies müsse die Landwirtschaft im dicht besiedelten Kambodscha schwer getroffen haben.
Ebenso verhängnisvoll könnten sich die folgenden Regengüsse ausgewirkt haben. Die Baumring-Analyse zeige, dass der zweiten Trockenzeit abrupt eine Phase extremer Monsunregenfälle folgte. Diese könnten zu Überschwemmungen geführt und das ausgefeilte Bewässerungssystem des Khmer-Reiches zerstört haben.

Wie archäologische Quellen zeigen, erstreckten sich um Angkor einst lang ausgedehnte und gemauerte Bewässerungssysteme. Es gebe Hinweise, dass diese um 1450 durch Überflutungen beschädigt und teilweise verfüllt wurden, berichten die Forscher. Die Untersuchung zeige, wie schnell Klimaveränderungen zu einer Gefahr für die Menschen in Asien werden können.

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